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Die St. Martinskirche ist eine der 6 ältesten Kirchen im Württemberg, deren
Entstehung bis in das 6. Jahrhundert zurück reicht. Sie ist also mehr als 1.500
Jahre alt und nach dem Schutzpatron St. Martin benannt. Im Innenraum des
Kirchenschiffes sind *mittelalterliche Fresken* von ca. 1430 zu bewundern.
Eine weitere Kostbarkeit sind die *alten Emporenbilder* von 1743.
Bei der Kirchenrenovierung 1973 - 1975 wurde neben verschiedenen Schließen
aus Bein, ein in Bronceblech getriebenes Ornament, ein kleines Broncegefäß, ein
Alemannischer Beinkamm mit Futteral, einem Alemannischen Topf mit
Rollstempelverzierung ein *Goldener Ohrring aus der merowingischen Zeit*. Dieser
Ohrring gilt nicht nur unter Fachleuten als sensationeller Fund. Es handelt sich
hier um ein einmaliges Stück, zu dem es kein vergleichbares Gegenstück gibt. Das
Schmuckstück ist 7 cm groß und ca. 11 g schwer. Das Württembergische
Landesmuseum in Stuttgart hat darauf hingewiesen, dass es s cih wohl um das
wertvollste Schmuckstück überhaupt dieser Art handelt, das in Stuttgart verwahrt
wird. *Eine galvanische Kopie hiervon kann in einer Vitrine der Kirche
besichtigt werden*.
*Die Gruibinger Kirchenglocken und ihre Geschichte* Die älteste Glocke in der St.
Martinskirche wurde 1408 gegossen und war damit die erste große Glocke in
unserer Kirche. Sie ist als gotische Glocke schlanker und höher als die späteren
Glocken gebaut, die bereits die heutige, unten etwas breitere Form
aufweisen. Da Martin als Kirchenpatron auf der Inschrift genannt ist, war diese
630 kg schwere Glocke von Anfang an für unsere Kirche bestimmt. Vermutlich wegen
ihr wurde der bis unterhalb der Glockenstube mit massiven Tuffsteinen gebaute
Kirchturm um ein weiteres Geschoss in Fachwerkbauweise, eben der Glockenstube,
erhöht. Auf die Turmspitze und das Kirchendach bekamen wohl damals ihre jetzige
gotische Form. Jedenfalls die Eichenbalkenkonstruktion der Glockenstube und der
Turmspitze stammen aus jener gotischen Zeit. Innerhalb der drei Glocken der
St. Martinskirche ist die Glocke von 1408 mit dem Ton g' die mittlere, die
*Kreuzglocke*. Sie läutet von Montag bis Samstag um 11 Uhr und um 16.00 Uhr. Die
Kreuzglocke läutet auch beim Trauergottesdienst auf dem Weg von der Kirche zum
Grab. Die größte, 1.500 kg schwere und in Esslingen gegossene Glocke kam
1511 in unsere Kirche. Sie ist mit dem Ton e' drei Halbtöne tiefer als die
mittlere Glocke. Auch auf ihr ist der Namenspatron der Kirche in der
Inschrift festgehalten. Sie ist innerhalb des Geläuts die *Betglocke*. Sie
läutet bei Tagesanbruch um 6 Uhr, zur Mittgaszeit um 12 Uhr und bei Einbruch der
Nacht (im Winter um 18 Uhr, im Frühjahr und Herbst um 19 Uhr und im Sommer um 20
Uhr). Die mit 210 kg kleinste Glocke ist die *Taufglocke*. Sie läutet am
Anfang und am Ende des Lebens. Sie ertönt während des Taufaktes und sie läutet
um 13.30 Uhr, also zur in Gruibingen üblichen Zeit eines Trauergottesdienstes,
als Zeichen, dass im Ort ein Todesfall eingetreten ist. Diese Glocke mit dem
hohen Ton d'' ist sieben Halbtöne höher als die mittlere Glocke und hat damit
einen sehr weiten Tonabstand zu den beiden anderen Glocken.
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